begleite mich ein stückweit, ein stück von meiner lebenszeit. Eine elle breit auf dem äonenkleid. Ziehe mit mir durch die nacht, unbedacht lacht uns das entfachte abenteuer. Nimm das steuer, setze die segel, fern jeder regel bestimmen wir wind und pegel. Sei meine julia auf den planken der bühne, kein wanken, keine sühne. Wir bestimmen der liebenden los, ohne harm liegend in deinem schoß. Begleite mich ein kleines stück, teile mit mir etwas lebensglück. Schaue nicht zurück. Wir sind erst am beginn und werden es auch bleiben, solange wir uns eins sind lassen wir uns einfach treiben. Nur ein stückweit auf dem äonenkleid.
Archiv für den Monat: Februar 2004
endlichkeit
es ist die endlichkeit, die sie mit mir liegt im streit. Ein streit den ich verlier. Es ist die endlichkeit, die mich entzweit, mir nicht verzeiht, noch verleiht was mich von ihr befreit. Es ist due strenge frist, die mich zerfrisst, mich bemisst wenn mein herz dich vermisst. Es ist die strenge frist, die wie eine böse list lauert. Mich überdauert. Es ist deshalb nicht zu verzeihen wenn stunden auf tage sich an sich reihen. Sich mehren und zählen. Während sie mich verzehren und quälen. Könnt ich frei wählen, würde ich sie nur mit dir zählen. Dann wären sie ihrer zahllos und verlören ihre endlichkeit in unserer zweisamkeit.
unmittelbar
jedweg weg mit allen mitteln misst nicht maß an meinen schritten. Jedweg pfad ist pfand seiner pflicht, verpflichtet sich nicht denselben zu lösen. Keine grenzen dieser lande sind im stande mich zu halten. Niemandes wort bringt mich fort, fordert mich ab von ort zu ort zu eilen. Weilen werde ich erst dann; in deiner augen bann kann ich zur ruhe finden, zeit mit uns verbinden. Bis dahin bin ich ratlos rudernd, ufer suchend reisend. Bis dahin bin ich rastlos rumorend, fluche fluchend, beißend. Fluchend, suchend auf der reise und werde erst wieder leise, wenn ich mich in deinen armen liegend heiße.
seegedanken
ruhig liegt der see in der frühen morgenstund zu meiner rechten. Gleisend, reisend, spielen die lichter auf seinem wasser. Sofort sind meine gedanken über alle schranken auf einer zeitreise. Weit entgleise ich dem jetzt und hier. Sehe mich mit dir an einem teich, deine züge im fahlen laternenlicht ganz weich. Bleich weicht lunens licht vor deinem angesicht. Ich suche nach einem wink. Flink huscht die stunde. Drehen wir eine letzte runde um eine frage, die wie eine schwere plage an mir nagt. Mich verzagt und wagt, mich zum narren zu halten. Im kalten wasser schimmern die laternen wie hier im fernen. Weit und doch so nah bin ich mir deiner anwesenheit gewahr.
bezählt
taktlos betagt mich der tag. Zählt mich ab in stund und blick, stück für stück weist er mich von sich. Kennt er mich ohne dich. Fröstelnd fragend freit die zeit, was uns entzweit. Stobend stur stimmlos verzweifelt beklage ich mein los, suche den schoß deiner umarmung, ohne warnung trifft mich der stoß. Stößt mich umher. Die nacht ist so leer. Nackt, ihres dunklen mantels entrissen. Gerissen, gewissenlos gestikuliert sie ihren sinn für mich, der ich ohne dich bin. Halsstarrig starre ich hinaus in das nichts. Weg vom licht, sticht die klarheit der wahrheit. Zeigt mir deinen verbleib. Bleibt die nacht alleine mit meinem leib. Leiht mir ihre finstere stimmung, ihre düstre gesinnung. Lunens spott hält tor und schott auf der suche nach dir.
halte mich
unbesohlt verstohlen, husche ich durch dunkel dünkend dragisch anmutend
lüfte. unverhohlen mit heißen kohlen, lauern bitter schmeckend gedanken
mir nackt im nachtumfachten nacken. böse lösen sie dösende zweifel, gram
und harm greifen geifernd giftig nach meinem sinnen. stur folgen sie der
spur meiner heimkunft, unvernunft umkreist, geißelt mich. harder martert
morschen holzes, forschen stolzes. findet gefundenes fressen, verbunden,
vergessen, neu bemessen. kalte spalten klaffen raffend auf, ziehend zog
zerrt zerreißend an mir. halte mich. halte mich fest. fange mich. fange
mich auf. lass mich nicht los, überlasse mich nicht jenem wehen los.
dein kuss
deinen kuss trage ich mit genuss, nicht nur als bild mit mir. deiner
zarten lippen geschmack, ihre süße liebkosenden gesten wohnen in meinem
bewußtsein an sicherer stelle. immer, fortwährend zugegen, ob unverwegen
heiß verlangend fordernd oder vorsichtig hauchend zart umspielend. spüre
und wahre ich das gefühl sie zu schmecken, sie zu umschließen, zu necken
und mich nach ihnen zu strecken. meine lippen schürzend, lauernd, die zeit
in gedanken verkürzend, kauernd. mit der zunge suchend, wartend, die
stunden verfluchend, darbend. mit den fingern streiche ich über meinen
mund, wäre es doch deiner und die stund unsere stund.
spurwechsel
so gerne wäre ich heutemorgen abgebogen, einfach der spur rechts ab ohne
bedenken gefolgt. ungezogen unbewußt und doch gewußt wohin. ohne wenn
und aber, bedenkenlos geradezu. gedankenfrei verschwimmen die regeln,
verwischt sich der sinn ihrer akribisch, rigiden riegel. so würde ich
einfach abbiegen, über den grauen boden fliegen, um bald an deiner seite
zu liegen. so würde ich einfach meinem herzen folgen, schwerste folgen
trüge ich. bedingungsfrei und ausnahmslos zehrte ich all der tugend wehe
rache, all der zeiten schmerzhafter reue für einen wimpernschlag deiner
hellbraunen augen blick, für einen augenblick in deinen zärtlichen armen.
befüllt
angefüllt und ausstaffiert, voll befüllt mit gefühl, ungekühlt und warm,
ohne harm. schwer bepackt, unversackt ohne umweg über brücke und steg.
weder zeit noch raum, spüren kaum, wie die mär durch traum. direkt und
unversehrt, glückselig und unbeschwert. unerschrocken trocken und gesund
legt sichs auf deine wund. auf deinen schönen mund. mit süßen scherzen,
auf deines halses schmerzen. mit heiterem bemühen, auf deiner stirn
glühen. mit kraft und steh auf all dein weh. so geleitet dich mein wohl
geschnürtes päcklein wie ein nimmer leer werdend säcklein durch deinen
morgen, mittag und abend, immer für dich, immer labend.
wo?
vergangene nacht erlag ich einem tiefen schlummer, geplagt nur von einem
kummer. mein blick haftete auf deinem laken. verkraftete es nicht, lebe
ich zwischen den tagen. ich konnte dich riechen, wohnte dicht an dicht
in diesen nächten mit dir bei mir. ich konnte dich hören, wohnte ohr an
ohr in dieser momente süße laute deiner stimme. ich konnte dich sehen,
erlebte seite an seite jeden wimpernschlag deiner augenweide. ich konnte
dich schmecken, erlebte lippen an lippen all unsere vorsätze kippen. ich
konnte dich spüren, weilte haut auf haut am nabel deines sinnenlautes.
spur für spur, trinke ich meine sehnsucht, wo bist du nur!